Homozygot oder heterozygot?

Frau Dr. Sommerfeld-Stur erklärte auch für Laien verständlich genetische Hintergründe für verschiedene Zuchtverfahren bei Hunden, wobei uns im besonderen die Unterschiede zwischen Selektionszucht und Kreuzungszucht interessierten, die unten stehend kurz zusammengefasst sind:

Bei der SELEKTIONSZUCHT werden nur Tiere einer Population zur Zucht eingesetzt, die dem angestrebten Zuchtziel (Rassestandard) möglichst nahe kommen. Durch Selektionszucht steigt die Homozygotie in einer Rasse, das heißt die Tiere werden in den angestrebten Merkmalen immer ähnlicher. Gleichzeitig erhöht sich auch die Anzahl der homozygoten Genorte, was zur Folge hat, dass sich Defektgene rezessiv stark vermehren können und zum vermehrten Auftreten von genetisch vererbten Erkrankungen in einer Rasse führen. Der Anstieg der Homozygotie durch Selektionszucht führt zusätzlich zum Verlust genetischer Vielfalt, was besonders in kleinen Populationen schwerwiegende Folgen hat.

Gene, die durch Selektion einmal aus der Population verschwunden sind, können nicht von selber wieder neu erscheinen, sie sind für immer verloren!
Nach dem Schema der Selektionszucht wird in den meisten Rassezuchtvereinen gezüchtet.
Die einzige Möglichkeit, verloren gegangene Varianz wiederherzustellen, bietet die Immigration von Fremdhunden in eine Rasse, auch
KREUZUNGSZUCHT oder OUTCROSS genannt.

Viele Rassen würde es ohne solch beabsichtigte oder unbeabsichtigte Blutauffrischungen heute nicht mehr geben. Dazu würde auch die Rasse der Kromfohrländer gehören.
Der Vorteil der Kreuzungszucht besteht darin, dass die Heterozygotie ansteigt, die genetische Vielfalt sich erhöht und als Folge davon der Phänotyp (das äußere Erscheinungsbild) des Hundes uneinheitlicher wird.
Bei der Kreuzungszucht geht es vor allem darum, in der ersten und zweiten Einkreuz-Generation eine größtmögliche Vielfalt zu erreichen, um dann wieder dem Standard entsprechend auswählen zu können. Es gibt in der Kreuzungszucht verschiedene Kreuzungsschemata, nach denen verfahren werden kann, wenn bestimmte erwünschte Merkmale drohen verloren zu gehen. Dieser Prozess geht über viele Jahre und Generationen.
IGRK und Pro-Kromfohrländer haben sich auf den Weg gemacht, den Genpool der Kromfohrländer durch Kreuzungszucht zu erweitern und zu verbessern.
Wer sich intensiver in die Thematik einarbeiten möchte, kann dies  auf der Internetseite von Frau Dr. Sommerfeld-Stur tun.

 

Ein Artikel von Frau Dr. Sommerfeld-Stur (erschienen in Wuff 10/2014):